Erinnerungskopfkino

Immer nur Erinnerungskopfkino.

Du. An meiner Hand. Du hast mir deine Welt mit strahlenden Augen gezeigt. Mich dabei beobachtet, wie ich durch dein Zimmer geschlendert bin und dabei mit den Augen deine wertvollsten Dinge gestreichelt habe.

Deine wertvollsten Dinge waren:

– Eine „Dafür lebst du..“-Liste in Schriftgröße 10, 3 Seiten lang, auf der so viele Ziele mit den meinen übereinstimmten. Von denen ich so viele gerne mit dir erreicht hätte.

– Eine kleine, sandfarbene Holztruhe voller Kindheitserinnerungen: Deine cremefarbene Milchzahnbox für die Zahnfee, dein Lieblingskinderbuch („Der kleine Wassermann“) und dein Schnuffeltuch. Als ich sie öffnete, wurdest du ganz rot vor Scham, doch ich lächelte und alles war wieder gut.

– Ein buntes, verschwommenes Bild, dass dir deine kleine Nichte gemalt hatte.

Wir lagen zusammen auf deinem Bett, die Hände in einander gefaltet, ich in deinen Armen versunken. Nur mit dir konnte ich so schweigen und dir dabei so viel erzählen.

Immer nur Erinnerungskopfkino.

Deine Hand auf meiner Haut, dein Duft, deine Nase in meinem Haar versunken, weil du mein Shampoo so mochtest. Das elektrisierende Gefühl beim Küssen, das ich nur bei dir hatte. Jedes Mal ein kleiner Blitzschlag, wenn sich unsere Fingerspitzen berührten und sich unsere lächelnden Augen begegneten. Deine Augen als Tor in deine Welt, die für eine Weile unsere war.

Immer nur Erinnerungskopfkino.

Sternenhimmel. Wir beide auf dem warmen Beton des Feldweges. Zirpende Grillen und dein Atmen in meinem Nacken. Mäusegetrippel im Busch und das Rauschen des Windes. Eine Sternschnuppe. Ich weiß nicht, was du dir gewünscht hast, ob du dir überhaupt etwas gewünscht hast, aber ich wünschte mir, dass dieser Moment für immer bleiben würde.

Immer nur Erinnerungskopfkino.

Jede Geschichte hat ein Ende, so auch unsere. Wir waren plötzlich zusammen allein, einsam zweisam. Zuerst wurde dein Blick leer, irgendwann mein Herz. Die Grillen zirpten ohne uns und die kleine, sandfarbene Holztruhe verstaubte mit der Zeit.

Aus dem „Wir“ wurde ein „Ich“ und ein „Du“.

Geblieben ist nur Erinnerungskopfkino.

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