Glücksmoment

Die Wurzeln, die aus dem majestätischen Baum am Strand herausragen sind wie für mich gemacht. Für die nächsten zwei Wochen ist es mein Baum, mein gemütlicher Lesebaum zum Anlehnen.

In meinen Ohren klingt die sehnsuchtsvolle, aber trotzdem leichte Musik von The Kooks.

In meinen Händen ein dickes Buch, aufgeschlagen auf Seite 240. In den letzten zwei Tagen habe ich viel gelesen, endlich mal wieder viel gelesen. Momentan kann ich mich aber nicht auf die Geschichte von Helena und Ian konzentrieren und schaue auf, auf den klaren See.

Der Wind wirbelt meine noch vom Wasser nassen, dunkelbraunen Locken durcheinander.

Die Sonne scheint warm in mein Gesicht, ich muss die Augen zusammenkneifen um aufs Wasser blicken zu können.

Meine Füße sind im Sand vergraben, die blau-weiß gestreiften Flip-Flops habe ich unachtsam daneben geworfen. Daneben eine kleine Sandburg, gebaut von meinem Bruder, gespickt mit wunderschönen Muscheln und einem großen Turm, der schon am Zerbröckeln ist.

Kleine Wellen brechen sich am Strand. Die Weite des Sees erinnert mich an Meer. Ich schließe die Augen, mache die Kopfhörer raus, höre den kleinen, zarten Wellen zu und bilde mir ein, das Meer riechen zu können.

Vor mir lachende Kinder, eins davon ist mein fünfjähriger Bruder. Er fischt, lacht hell auf bei jeder Muschel, die sich in seinem neongelben Netz verfängt. Manchmal klingt es wie ein Quietschen, so wie das leise Quietschen seines Fahrrads, wenn er schon früh morgens den Zeltplatz damit lauthals lachend umrundet.

Ich kann nicht anders, ich muss lächeln. Für den Moment bin ich sehr glücklich, so glücklich wie man es nur mit dem Sand unter den Füßen, dem Wasser vor Augen und dem Wind in den Haaren sein kann. Für genau solche Momente wünsche ich mir manchmal ein Marmeladenglas, um sie darin einzufangen und in unglücklichen Zeiten einatmen zu können. Doch am Ende wird mir wiedermal nur die Erinnerung bleiben.

Ich stecke mir die Ohrstöpsel wieder in die Ohren und schließe die Augen. Versinke in Melodien, spüre den Wind in meinen Haaren und den Sand zwischen meinen Zehen und bin lächelnd glücklich.

„Do you want to go to the seaside? 
I’m not trying to say that everybody wants to go 
I fell in love at the seaside 
I handled my charm with time and slight of hand.“

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