Waschmaschinenfrühstück

Die wunderbare @girlontravel hat mir eine Schreibaufgabe gegeben. Hier das Ergebnis.

Schreibe mindestens 400 Worte und benutze die Wörter Schutzengel, Frühstück und Waschmaschine.

6:00 Uhr morgens ist zu früh für Frühstück. Es ist überhaupt zu früh, um irgendetwas zu machen. Um diese Uhrzeit sollte man nicht einmal wach sein, geschweige denn denken oder etwaige feinmotorische Dinge ausführen. Für Anna, eine Langschläferin wie sie im Buche steht, war es schon die größte Herausforderung die Waschmaschine einzuschalten. Diese brummte jetzt laut vor sich hin, was sich in Annas Ohren anhören musste wie ein Schwarm Hornissen. Letzte Nacht hatte sie zu viel getrunken, ihr Kopf und ihr Magen rebellierten und ihre Augen fielen im 10-Sekunden-Takt zu. Vor sich hatte sie eine Tasse schwarzen Kaffee stehen, zumindestens glaubte sie das. So richtig erkennen konnte sie nichts, ihre Kontaktlinsen hatte sie irgendwo zwischen dem 3. Margerita und dem „Sex on the Beach“ (Und damit ist nicht der Cocktail gemeint) verloren. Erinnern konnte sie sich daran natürlich nicht, genau so wenig daran, wie sie nach Hause gekommen war. Anna dachte gerade daran, wie es wohl wäre, betrunken in einer Flugzeugtoilette Sex zu haben und wie oft sie dafür noch ihre Yogaübungen machen müsste, als sie den ersten tiefen Schluck aus ihrer Kaffeetasse nahm und ihn sofort prustend wieder ausspuckte. Auch wenn sie geistig im Moment nicht fähig war 2+1 zusammen zu rechnen war ihr doch bewusst, dass Kaffee nicht nach Waschmittel schmeckt.

Allgemein gilt ja, dass Kaffee ein guter bis sehr guter Wachmacher am Morgen ist. Aber in diesem Moment stellte sich heraus, dass Waschmittel in heißem Wasser gekocht noch schneller wirkt. Anna war plötzlich hellwach und rannte Richtung Badezimmer. Blind wie ein Maulwurf stoß sie sich in ihrem engen Flur dabei den kleinen Zeh an dem Eckschrank, jaulte vor Schmerz auf, humpelte weiter zur Waschmaschine und streifte mit dem linken Arm im Vorbeigehen den Keramikschutzengel, den ihr ihre Oma väterlicherseits vermacht hat und der jetzt krachend zu Boden fiel.

Die Regel, dass man weiße Blusen nicht mit bunter Kleidung waschen sollte, ist eine sehr empfehlenswerte Regel. Man sollte allerdings noch eine Kleinigkeit hinzufügen: Weiße Blusen mit Kaffeepulver zu waschen, ist nicht unbedingt ratsam, außer man möchte sich als Indianer verkleiden oder getarnt im Matsch robben. Anna hatte keins von beidem vor. Um 12:00 Uhr hatte sie ein wichtiges Vorstellungsgespräch, dass sie vielleicht endlich aus diesem Loch von Wohnung herausholen konnte. Aber mit kaffeebraunen Blusen, die jetzt eher einer vergammelten Putzfrauenuniform glichen, würde sie nicht viel Eindruck schinden, geschweige denn seriös wirken können. Resignation und Verzweiflung machten sich in ihr breit. Wenn sie schon an der einfachen Aufgabe Blusen zu waschen scheiterte, wie sollte sie es dann schaffen, ihr Leben in den Griff zu bekommen?

Die Party gestern war ein Fehler, insgeheim wusste sie das, trotzdem holte sie jetzt, morgens um 6:17 Uhr, die Wodkaflasche aus dem Kleiderschrank, setzte sich heulend in die dunkelste Ecke des Badezimmers und zündete sich eine Zigarette an. Ihr Leben war ein Scheiterhaufen, sie selbst war ein Scheiterhaufen und selbst ihr Wäsche war einer. Anna gab in diesem Moment auf, gab sich auf und ihr Leben. Anna war allein. Und genau das war das eigentliche Problem.

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