„Nur noch 5 Minuten“

Die wundervolle @girlontravel (Meine Herzensschwester) hat mir eine Schreibaufgabe gegeben. Weil meine Kreativität eingerostet ist und mit eben solchen Aufgaben wieder in Gang gebracht werden soll. Ihr dürft mir übrigens auch solche wunderbaren Aufgaben geben. (Das ist ein Befehl!) Ihre Schreibaufgabe lautet: Schreibe einen Text mit dem Titel „Nur noch 5 Minuten“ und benutze dabei die Wörter Emanzipation, Schwerkraft und Gänseblümchen.

Die Zeit. Verrückt, wie viel Zeit man zur Verfügung hat, wie wenig man diese nutzt und wie viele Menschen sich am Ende beschweren, sie hatten nie die Zeit sich ihren Lebenstraum zu erfüllen.

Eine alltäglich Situation, die bestimmt jeder von uns kennt. Es ist Morgen. Noch schlimmer, es ist Montagmorgen. Und der Wecker, vernünftig wie er ist, klingelt pünktlich um uns für die Schule, die Arbeit oder sonstiges zu wecken. Und wir? Wir murmeln leise „Nur noch 5 Minuten…“, drehen uns um und schlafen weiter. 5 Minuten später klingelt er nochmal, wieder ein leise Gemurmel, eine Drehung in die andere Richtung. 5 Minuten später klingelt er ein letztes Mal, denn wir schreien ihn an „NUR NOCH 5 MINUTEN HAB ICH GESAGT, DU ARSCH!“. Oder so was ähnliches.

Der springende Punkt ist jetzt: Was wäre, wenn uns die Schwerkraft nicht zu sehr an unser warmes, gemütliches Bett fesseln würde? Was, wenn wir einfach mal pünktlich aufstehen würde. Das wären pro Woche 70 Minuten, die wir mehr hätten, pro Monat 280 und pro Jahr 3920 Minuten, 65 Stunden, mehr als zwei Tage. Wir verschwenden also mehr als zwei komplette Tage pro Jahr mit unseren 5-Minuten-Umdrehern.

Wie viel Zeit verschwenden wir damit über Politik, die Emanzipation der Frauen in Führungspositionen, Wulff, DSDS und das Dschungelcamp zu diskutieren? Anstatt einfach mal aufzustehen, loszugehen und die Welt zu entdecken. Ohne viel Gerede, einfach losstarten.

Wir sind nicht bei Momo und den Zeitdieben. Unsere Zeit wird uns nicht gestohlen (auch wenn ich Michael Endes Erklärung für unseren immensen Zeitverlust durchaus für logisch halte), wir nehmen sie uns nur einfach nicht. Wir verschenken sie, lassen sie in der Ecke verrotten, werfen sie in den Mülleimer oder verschwenden sie.

Was würdet ihr mit 70 Minuten in der Woche machen, die ihr mehr zur Verfügung hättet? Schreit ihr laut los „YEAH, EINE STUNDE MEHR ZEIT ZUM TWITTERN?“ oder geht ihr raus? In dieses Ding namens Natur, dass man manchmal vor lauter Smartphone nicht mehr wahrnimmt. Im Sommer lege ich mich am Liebsten auf eine Wiese, vielleicht in unserem Garten, voller Gänseblümchen und anderem Gewächs und schaue mir den Himmel an. Oder schließe die Augen und sauge die Geräusche und Gerüche um mich herum auf. Es gibt keinen besseren Geruch, als der von frisch gemähten Gras. Im Winter stapfe ich gerne durch den Schnee, sofern er vorhanden ist, und genieße diese ganz spezielle Stille, die es nur an winterlichen Tagen gibt. Wo die Sonne im Schnee glitzert und meine Gedanken abschweifen können.

Es gibt Menschen, die halten solche Momente für Zeitverschwendung, allgemein auch bekannt als „Workaholics“ oder „Arbeitstiere“. Deren Terminkalender so voll ist, dass sie schon fast an zwei Orten gleichzeitig sein müssten und die vergessen haben, wie man lebt.

Wie nutzt du deine Zeit?

Bist du ein „Nur noch 5 Minuten schlafen“-Typ oder ein „Nur noch 5 Minuten leben“-Typ? Einer, der jede Minute nutzt und seien es auch nur die 5 Minuten Wartezeit auf den Zug, in der man seinen Freund anrufen kann, um ihn zu sagen, was er einem wirklich bedeutet. Oder seine Mutter. Oder seine Großmutter.

Nutzt du Chancen, die dir das Leben tatsächlich manchmal schenkt (AUGEN AUF!) oder ist dein Lebensstil eher so „Augen zu und durch“? Denn wenn du so durchs Leben läufst, machst du irgendwann die Augen auf und bemerkst, dass du dich in unserer komplizierten Welt verirrt und dich selbst verloren hast. Und außerdem wirst du all die schönen Seitengassen deines Lebensweges verpasst haben, weil du nur stur nach Plan A geradeaus gelaufen bist. So schnell wie möglich, im Dauerlauf. Die Welt zieht nicht an dir vorbei, du ziehst mit deinem Tempo an ihr vorbei.

Und irgendwann stehst du da und wirst sagen „Ich hatte nie Zeit zum Leben.“.

Es geht mir nicht darum, dass du morgens nicht ausschlafen sollst oder nicht arbeiten sollst. Aber wie wäre es mit der Idee, ein bisschen Zeit tagtäglich für dich, deine Freunde oder einfach nur das Leben abzuzapfen. Die Balance zu finden. Um nicht irgendwann umzukippen und alleine dazuliegen.

P.S. Für das Lesen dieses Blogeintrags sind bestimmt auch schon 5 Minuten draufgegangen. Ich danke dir, für deine Zeit.

P.P.S. Vergiss die Schreibaufgabe nicht!

P.P.P.S. Was sitzt du noch hier? Geh raus und lebe!

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