Ich will

Ich will frei sein. Ich will das machen, wozu ich Lust habe und zwar genau in dem Moment, in dem ich gerade Lust dazu habe und nicht erst dann, wenn irgendjemand mir sagt, dass es jetzt möglich ist.

Ich will ungebunden sein, ohne grundlose Regeln leben und mir mein Leben so gestalten, wie es MIR passt und nicht den anderen.

Ich will vorwärts gehen und wenn nötig, einen Schritt rückwärts um Anlauf zu nehmen und nach vorne zu sprinten.

Ich will schreiben. Ich will Geschichten erzählen. Geschichten von mir, von meinem Leben, von anderen, von deren Leben. Von Liebe, Leben, Freiheit, Gefühlen, Gedanken, Menschen, Vertrauen und vom Fallen und wieder Aufstehen. Oder auch vom Fallen und dem Darauf warten, dass sich jemand zu dir auf den Boden legt.

Ich will Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und Lachfalten auf die Stirn malen.

Ich will nicht mehr schwarz-weiß sehen und die Welt in Gut und Böse einteilen. Denn die Welt ist mehr als das und schwarz und weiß sind eh langweilige Farben.

Ich will die Welt in Farbe sehen, bunt, 3D, in HD-Auflösung und alles nur noch in Dolby Digital hören. Wenn nötig mal ich sie selbst bunt an, mit Ideen, Gedanken, Gefühlen. Mit jedem Schritt und mit jedem Wort, das meinen Mund verlässt.

Ich will Musik hören und meinen eigenen Lebenssoundtrack entwerfen, während ich Jack Johnson höre am Meer laufen und das Wasser an meinen Füßen spüren, mit Bosse im Ohr durch die Stadt laufen, zusammen mit Alin Coen weinen, wenn ich traurig bin und mit Mumford & Sons durch Indien reisen.

Ich will Meer. Ich will Meer sehen, dem Wellenrauschen lauschen und den Wellen beim Brechen zu sehen, Salzwasser riechen und mit Salzwindhaaren nach Hause hüpfen.

Ich will die Düfte der Welt riechen und reisen, vom Big Apple nach Kalkutta, von Hongkong in ein kleines Ziegendorf in Kasachstan.

Dahin, wo man Sprachen spricht, die ich noch nie gehört habe, wo die Menschen nichts haben und dir selbst davon noch abgeben.

Dahin, wo die Luft anders schmeckt und neue Sinne geweckt werden.

Dahin, wo ich Dinge fühle, von denen ich nicht wusste, dass sie überhaupt existieren.

Ich will ein One-Way-Ticket nach irgendwo anders, nur nicht hier sein.

Ich will andere Kulturen entdecken und jemanden zu Hause haben, der mich immer wieder mit offenen Armen empfängt.

Ich will mein Herz und zwar ganz. Herzensdiebe können mir gestohlen bleiben. Ich will mich selbst finden. Und dann jemanden, der mit diesem Ich klar kommt.

Ich will jemanden, der mich genug liebt. Jemanden, der mich mehr als genug liebt. Jemanden, der mich liebt, auch wenn es mir unmöglich ist körperlich anwesend zu sein.

Ich will Liebe, die weitergeht und nicht einfach so aufhört.

Ich will jemanden, dem ich alles erzählen kann, der sich zu mir legt, wenn ich am Boden liege, der mich umarmt, wenn ich verzweifelt bin. Jemanden, für den das alles nicht zu viel verlangt ist.

Ich will finden und gefunden werden.

Ich will niemanden brauchen.Und ich will aufhören mir in einem Atemzug selbst zu widersprechen.

Ich will mich verändern, damit es nie jemand wagen wird mir zu sagen „Ach, immer noch die Alte.“ Manchmal will ich aber auch die Alte bleiben.

Ich will mich mal um mich selbst kümmern und nicht immer nur um alle anderen.

Ich will mir selbst wichtig sein. Ich will anderen wichtig sein.

Ich will Kinderlachen hören, mindestens dreimal am Tag. Kinder sollen mir Geschichten erzählen. Von Drachen in ihrem Schlafzimmer und kleinen Monstern unter ihrem Bett. Von Prinzessinnen, Rittern und Meerjungfrauen.

Ich will die gleiche, unbekümmerte, freie Fantasie zurück haben, die ich als Fünfjährige hatte. Die sich nicht an die Tatsachen gehalten hat, sondern an das, was die Seele, das Herz und der Kopf sich zusammen überlegt haben. Weil erst dann die besten Ideen entstehen.

Ich will Gedanken in Worte fassen, die bei anderen direkt ins Herz gehen.

Ich will mit Worten und Umarmungen Herzen heilen.

Ich will, dass alles so wird, wie ich ich es mir vorstelle. Und wenn es nicht so wird soll es so werden, dass es trotzdem irgendwie gut für mich wird.

Ich will keine zu hohen Erwartungen haben, aber auch keine zu niedrigen.

Ich will das richtige erwarten und nicht enttäuscht werden.

Ich will mit Enttäuschungen klar kommen können, ohne mich gleich vom Dach stürzen zu wollen, wie Ted bei Scrubs.

Ich will nie eine Enttäuschung für andere sein müssen.

Ich will Erinnerungen in Kisten packen und ganz hinten im Kopf verstecken. Und da lassen und nie wieder auspacken. Ich will meinen Kopf aufräumen und alle sinnlosen Gedanken rausschmeißen.

Ich will mein Herz aufräumen und Menschen, die sich ihren Platz dort garantiert nicht verdient haben mit einem Arschtritt hinaus befördern und mich auf die wirklich Wichtigen konzentrieren. Auf die, die mir gut tun.

Ich will aber auch ein offenes Herz haben und mich nicht verschließen. Ich will Menschen eine Chance geben, sich den Platz dort zu verdienen. Ich will die Herzenstür offen lassen, aber zur Sicherheit setze ich den Kopf als Bodyguard ein. Mit all seinen Zweifeln und Ängsten.

Ich will Menschen in meine eigene kleine Welt lassen und mich gleichzeitig darin verstecken können.

Ich will meine Angst loswerden. Meine Angst davor mich Menschen zu öffnen und mich lieben zu lassen. Meine sinnlose Angst nach Einbruch der Dunkelheit noch in den Keller zu gehen. Meine Angst vor großen Hunden. Meine Angst vor Worten. Vor Worten, die mir wie Messer in Herz und Seele schneiden. Wörter, die aus Mündern von Menschen kommen, die mir so viel bedeuten, dass es schon weh tut.

Ich will Momente konservieren, in kleinen Traumschachteln und sie nach Glücklichkeitsgrad sortieren. Ganz unten wären die Momente, in denen ich plötzlich lächeln musste, inmitten einer Menschenmenge, weil ich etwas gesehen habe, was sonst keiner wahrgenommen hat. Zum Beispiel den bunten, großen, wunderschönen Schmetterling in Indien, der sich auf dem Kopf eines kleinen Kindes gesetzt hat.

Und ganz oben wären die Momente, in denen ich andere mit meinem Glück hätte anstecken können. So wie damals, als du mich mitten im Regen gestoppt hast und mich einfach so geküsst hast. Oder als ich meine Lieblingsmenschen nach 7 Monaten in Indien endlich wieder umarmen konnte.

Ich will meinen Lieblingsmoment heiraten und viele kleine wunderschöne Momente von ihm bekommen.

Ich will träumen. Von Dingen, die sich unterm Meeresspiegel und hinter dem Horizont abspielen. Träumen von Dingen, die mir unmöglich erscheinen, aber durch das Träumen Realität werden. So sehr träumen, dass ich nur noch als „Die Träumerin“ bekannt werde, die alle Kopfmenschen nett belächeln. Ich will meine Augen schließen und in der Stille Dinge hören, die sonst keiner hört.

Ich will leben, lieben, lachen. All die Sachen machen, die man machen sollte und noch mehr. Die Lust am Leben finden.

Ich will, dass ich wenigstens ein paar der Dinge, die ich will, erreiche.

Aber im Grunde genommen, wenn man es mal neutral betrachtet, will ich nur eins.

Nämlich viel zu viel.

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8 Gedanken zu “Ich will

  1. Ach, verlange vom Leben alles. Genieße was du bekommst und bereue nichts. Niemals. Wir interpretieren die Geschichte über Lots Frau einfach anders. Schaue niemals zurück. Aber vergesse nichts.

  2. Ich hab jetzt echt Schwierigkeiten, das von dor herbeigezauberte Lächeln wieder loszuwerden. Jemand sagte mal, daß Glücklichsein nicht das Ziel des Lebens sondern die Art ist, wie man leben sollte… Was ich hier las, ist eine schöne Zutatenliste, aus der Du einen leckeren und glücklich machenden Fruchtsalat des Lebens zubereiten wirst, da bin ich mir sicher.

    Lach den Zweiflern fröhlich ins Gesicht und laß den Bodyguard deines Herzens diesen Leuten sagen: „Du kommst hier nicht rein!“

    Liebe und barfüßige Grüße,

    ~*Ganesha*~

  3. Hi :) ich folge dir schon seit ein paar Monaten auf Twitter und nach dem ich jetzt bis zu diesen Eintrag (ab dem Aktuellsten) alle gelesen habe, wollte – schon fast musste – ich dir unbedingt schreiben! :)

    ich liebe es von dir zu lesen! Du kannst wirklich gut schreiben und ich freue mich auf weitere Tweets und Blogeinträge von dir! <3

    Liebe Grüße
    Svenja

    ah! noch Herzlichen Glückwunsch zur Unizusage :D 🍀

    1. Liebe Svenja!

      Über so eine Rückmeldung freue ich mich ganz besonders. Schön, dass es tatsächlich Menschen gibt, die mein Zeugs gerne lesen. Manchmal verwundert mich das ein wenig, aber gut. Dankeschön dafür <3

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