Höhenflugherz

Mein Höhenflugherz.

Seit ich dieses Wort in einem wunderbaren Text vom überragenden Tobias Gralke gehört habe lässt es mich nicht los. Ich glaube, ich selbst habe ein Höhenflugherz.

Es ist übermütig, unbesonnen, naiv, kindisch, sehnsuchtsvoll, entscheidungsfreudig, unüberlegt, ungenau, mutig, waghalsig, offen, bereit, zerrissen, groß, wachsend, fliegend.

Ich habe Schmetterlinge im Bauch, die dann ins Herz fliegen. Ich habe Schmetterlinge im Herzen, die raus wollen, die mein Herz nach oben drängen, so dass es sich manchmal anfühlt, als würde mein Herz bis zum Hals hoch schlagen. Schmetterlinge, die ich nicht haben will. Die Art von Schmetterlingen, die mein Herz auf blöde Gedanken bringen und es dazu überreden spontan zu sein und Risiken einzugehen. Die ihm Dinge ins Ohr flüstern, die nur sie wollen und auf die das Herz von alleine nie kommen würde. Dinge, auf die ich und mein Kopf keine Lust haben. Von denen wir wissen, dass sie nicht gut für mich sind.

Meinem Herzen ist das egal. Es macht, was es will. Es ist eben ein Höhenflugherz. Leider auch eines von dieser Sorte, die nach einem Höhenflug erst mal ordentlich auf den Boden der Tatsachen knallen. Und das nicht selten. Die Narben kann man nicht mehr zählen, offene Wunden gibt es zahlreiche, mal größere, mal kleinere. Menschen haben sie gemacht. Mit Worten, mit ihrem Verhalten. Und dann haben sie mich allein gelassen damit. Einfach so verlassen. Wer macht denn so was?

Doch mein Herz ist und bleibt ein Höhenflugherz. Das nicht weiß, warum es sich immer wieder von Neuem aufraffen kann. Von Neuem nach oben fliegt, lieben, schlagen, sich auf andere einlassen und Menschen in sich reinlassen kann.

Ich habe schon alles versucht, um es aufzuhalten. Habe Mauern und Zäune gezogen, aber da ist es einfach drüber geflogen. Habe versucht es anzuketten, doch auch das halt nicht.

Ich habe gelernt, es so zu akzeptieren wie es ist. Herzen kann man nicht einsperren, sie sehnen sich nach Freiheit. Nach mehr. Und das suchen sie. Und wenn sie glauben, gefunden zu haben, was sie suchen, dann fliegen sie. In der Hoffnung irgendwann nur noch zu schweben.

Ich mag mein Höhenflugherz. Es zeigt mir die Welt aus anderen Blickwinkeln, lässt mich leben und lieben. Nur manchmal… Manchmal könnte es etwas vorsichtiger sein. Aber manchmal, da fliege ich mit. Lasse mich verleiten. Bin unvorsichtig und genieße. Fühle mich im Steilflug nach oben bereits schon so, als würde ich schweben. Bereue es meistens aber dann, wenn wir uns im freien Fall befinden.

Ich habe nur Angst vor dem Moment, in dem es fällt und liegen bleibt. Weil es nicht mehr kann und nicht mehr will. Weil die Wunden nicht heilen. Weil es keine Kraft mehr findet. In dem wir fallen und liegen bleiben. Weil ich dann auch liegen bleiben muss. Weil ich ohne mein Herz nicht aufstehen, nicht lieben und vor allem nicht leben kann.

Doch für den Moment ist es gelandet. Und ich hoffe, dass es eine ganze, lange Weile dort bleibt. Bei ihm. Es hat seinen Platz gefunden, wo es zur Ruhe kommen kann. Da, wo sich das Glück versteckt hat.

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