Kindheitserinnerung

Die wundervolle Sommerseufzen hat mir von einer Weile diese Schreibaufgabe (von denen ich mir mehr wünsche von euch!) gestellt: „Schreibe ein Lobhudelei über die Kindheit. Mit den Worten:
Wasserfarbe, Sand, Geschenkpapier, Geisha & Hoffnung“ Und hier das Ergebnis:

Mit konzentriert rausgestreckter Zungenspitze hält der kleine Junge vor mir seinen Pinsel in der Hand, tunkt ihn sanft in den Becher und sucht das Meerblau unter den Farben seines Wasserfarbenkastens. Über das sandgelb, dass sich bereits auf seinem – vom Wasser welligen Papier – befindet malt er, die Hand leicht verkrampft und bedacht, meerblaue Wellen.

Er erinnert mich an meine eigene Kindheit. Szenen aus früheren Jahren hüpfen mir durch den Kopf.

Ich, gerade mal vier Jahre alt, mit dem Kopf im Kleiderschrank meiner Mutter versteckt. Kurz vorher hatte ich mir mit meinen kleinen Patschehändchen ihre Schminke geschnappt und mir ins Gesicht geklatscht. Mein Gesicht war bleich wie das einer Geisha. (Auch wenn ich mit vier Jahren natürlich noch nicht wusste, was das überhaupt ist. Selbst heute könnte ich davon keine Definition abgeben. ) Meine kleinen Füßen steckten in schwarzen Stöckelschuhen meiner Mutter, ihr Top hing mir als Kleid bis zu den Fußsohlen. Dann kam sie selbst rein, ein kleiner Aufschrei, dann Lachen. Ein befreites helles Lachen, sie kramt die Kamera aus und knipst mich.

Dann, mein siebter Kindergeburtstag. Vampirgeburtstag. Hier ging es nicht um metrosexuelle Vampire, die in der Sonne glitzern, sondern um Vampire wie Rüdiger, den kleinen Vampir oder das kleine Vamperl. Mit meinen Plastikreißzähnen versuchte ich das Geschenkpapier aufzureißen. Es waren Bücher drin, Hörspiele und Wachsmalstifte. Es gab Blutbowle (Aus Kirschsaft und anderem Gedöns), Hotdogs und Gummispinnen.

Als letztes, die 4. Klasse. Die Hoffnung, dass ich es aufs Gymnasium schaffen würde. In den Pausen spielte ich mit den anderen Kindern Räuber & Gendarm, Verstecken und Fangerles. In den Unterrichtsstunden passte ich auf, fragte mich, warum S. mit 10 Jahren schon Lipgloss auf den Lippen hatte und warum Jungs so blöd sind und las mit Begeisterung Texte vor. (Mache ich heute übrigens immer noch so.) Meine Lehrerin Frau Brumm (Ja, sie hieß tatsächlich so und vielleicht war sie deswegen auch meine Lieblingslehrerin.) lächelte mir immer aufmunternd zu und hatte die schönste Schrift an der Tafel.

„MARSHA! Hey Marsha! Schau doch mal, ich hab das Bild fertig.“ Die Stimme meines kleinen Bruders holte mich aus meinen Tagträumen. „Sehr schön.“, sage ich und streiche ihm über die Haare. In 16 Tagen ist seine Einschulung. Und ich frage mich, wann wohl bei ihm der Zeitpunkt sein wird, an dem er aufhören wird, vollkommen Kind zu sein.

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Ein Gedanke zu “Kindheitserinnerung

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