Über den Weltuntergang, ausschweifende Sexualität und Weihnachten

Leise rieselt der Schnee,
der Typ vor mir fliegt aufs Knie.
Dehenn die Straßen sind glatt,
wir haben den Winter schon satt

Alle hetzen durch die Straßen, sofern das denn bei den schleichenden Rentnerkolonnen überhaupt möglich ist. Die kommen nämlich zu Hunderten, nein, zu Tausenden, aus ihren Reisebussen geströmt, weil sie mal von der Nachbarin von Gerlinde gehört haben, dass der Weihnachtsmarkt in Leipzig ja sooooo schön sein soll.
Es ist eine neue Wintersportdisziplin geworden: Der Rentnerslalom auf dem Weihnachtsmarkt. Wer schafft es, sich am schnellsten durch zu schlängeln, ohne die Rentner umzukippen? Man trinkt überteuerten Glühwein für 3,50 € und friert sich dabei freiwillig den Arsch in der Kälte ab. Und nach einer Weile in der Eiseskälte will man eigentlich gar nicht mehr lächeln, doch das Lächeln ist wegen der Kälte eingefroren, sodass man gar nichts anderes als Lächeln kann. Und es bleibt mit zitternden Lippen nur eine Frage zu stellen übrig:“Wo bleibt der fucking Klimawandel, wenn man ihn mal braucht?“ Dabei läuft nur scheiß Musik und man hat gar keinen Grund zu Lächeln. Ich persönlich bin ja der Meinung, dass Weihnachtsmusik NUR an den Feiertagen gespielt werden darf. Denn ich kann gut darauf verzichten schon am 15. November gewhamt zu werden. Denn:

Last Christmas I gave you my heart
but the very next day you gave it away.
This year, to save me from tears,
I’ll tear apart the fucking radio

Liebe Radioleute: Ich weiß auch ohne diesen beschissenen Song, dass bald Weihnachten ist!

Und weil es so arschkalt ist, kriegt man dann Schnupfen und die Stimmung sinkt immer mehr. Spätestens, wenn man das Gefühl hat, dass man sein komplettes Hirn ausgerotzt hat, ist man beim Typ „Männergrippe“ gelandet, versumpft in minütlichem „Mimimi“-Gejammer und ist eh immer kurz vorm Sterben. Freunde hat man danach entweder gar keine mehr oder man hat sie alle angesteckt und leidet nun zusammen.

Jeder sucht nach DEM Geschenk, um am Ende Mama dann doch ein Buch, Papa eine Krawatte und den Großeltern eine Kitschfigur an Weihnachten unter den Baum zu legen. Wenn ich mal Enkelkinder habe, werde ich ihnen von Anfang an sagen, dass ich keine selbstgebastelte Scheiße oder ekligen, hässlichen Kitsch haben will, die ich mir dann aus Nettigkeit und schlechtem Gewissen an die Wand hängen muss, sondern dass ich ganz viel Schokolade haben will, weil man als Oma ja dick und rund sein darf, ohne dass die Gesellschaft über dich lachen wird. Denn Omas müssen rund und süß und lieb sein. Immer. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass jeder Oma ein großer, dicker, fetter Engel gefällt, der verträumt in die Gegend schaut.

Aber dieses Jahr gibt es ja auch noch die Art von Menschen, die fest davon überzeugt sind, dass am 21. die Welt untergeht und die deswegen gar keine Geschenke kaufen. Genau das sind dann die Idioten, die am 22. mit ihrem Wimpelchen mit der Aufschrift „Weltuntergang 2012 – Ich war dabei“ zwischen zwei nackten Männern aufwachen, weil sie sich gedacht haben, dass man diesen gleichgeschlechtlichen Sex ja mal anlässlich des Weltunterganges ausprobieren könnte, weil man ja eh nix mehr zu Verlieren hat. Die dann panisch aufspringen und mit schmerzendem Hintern ihre Sachen zusammen suchen und auf Geschenkesuche gehen, weil die Großeltern und die liebe Freundin ja versorgt sein wollen.

Ich habe mir für dieses Weihnachten in weiser Voraussicht das kostenlose Amazon Prime für Studenten geholt und werde meine Geschenke ganz gemütlich auch noch ohne Stress bestellen können. Eingepackt und versendet von den osteuropäischen Weihnachtselfen bei Amazon. Dass es den Weihnachtsmann mal in Form eines Polen mit Pelzmütze und Schnauzer geben würde, konnte ja vor 50 Jahren auch keiner ahnen.

Und spätestens an Weihnachten, wenn die Verwandten Weihnachtslieder singen, die eher an Walgesänge erinnern, so in der Art von: „Stihiiilleeeeeee Naaaaaacht, Heeeeillliiiige Naaaacht, aaaalles schläft, einsaaam wacht, haltet doch aaaaleee die Klaahaahapppe.“ denke ich mir: So eine riesenkommerzielle Scheiße. Jesus wurde in Nazareth bestimmt nicht unter einem Tannenbaum geboren und als Baby war es ihm doch eh scheißegal, ob er jetzt Weihrauch, Gold und Mhyrre geschenkt bekommen hat. Und wenn ich auf die Frage, was ich mir zu Weihnachten wünsche mit „Ich will Liebe, meine Ruhe und zwei Flaschen Rotwein die ich dann in meinem Zimmer Olli Schulz hörend trinken kann.“ antworte, fragen mich alle immer nur, ob ich denn was geraucht habe und schenken mir am Ende dann doch irgendeinen sinnlosen Schrott. Dabei mein ich das todernst. Aber eigentlich habe ich nur einen Wunsch, den bestimmt auch noch andere Mädchen haben: Ich will einen Tag lang Mann sein, um zu wissen, wie es ist, jederzeit pinkeln zu können und wie sich so ein Blowjob anfühlt. Ich mein, die Männer schwärmen immer davon, dass MUSS einfach toll sein.
Und dann sind an Heiligabend alle so auf Harmonie aus, dass das gekünstelte Lächeln auf den Gesichtern so aussieht wie das von Heidi Klum, so als hätte sich jeder am Morgen des 24. die Mundwinkel ganz weit oben fest getackert.

Oma scheucht alle aus der Küche raus, weil sie der Chefkoch ist und auch, wenn sie eigentlich kaum noch stehen kann, ist die Weihnachtsgans ihr Ein und Alles. Und weil Opa aus Bayern kommt, muss man pünktlich um 12:00 Uhr Mittag essen, egal, ob man erst um 10 mit dem Frühstück fertig war oder nicht.
Eine Leberknödelsuppe, Tafelspitz mit Meerrettich, Gans mit Knödeln und Rotkraut später weiß ich endlich, warum ich im letzten Jahr 10 Kilo abgenommen habe: Um an Weihnachten innerhalb von einer Stunde absolut alles wieder zuzunehmen.

Nehmen wir mal an, eine Mutter erwischt ihre Tochter an Heiligabend beim Sex mit ihrem Freund: Bekommt dann „Ihr Kinderlein kommet“ nicht eine komplett andere Bedeutung?
Naja, ich schweife ab, Weihnachten ist ja das Fest der Liebe und in unserer Gesellschaft hat Sex ja meistens nichts mehr mit Liebe zu tun.

Und wenn ich am 26. die Besuche bei all meinen anderen Verwandten auch überlebt habe, dann kann ich durchatmen, nehme mir eine Flasche Rotwein mit ins Zimmer, schließe die Tür ab und höre Olli Schulz.

Und damit ist der Text zu Ende. Es tut mir Leid, dass der rote Faden gefehlt hat, doch den brauche ich noch zum Geschenke verpacken.

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