Das Problem mit der Kommunikation – Ein Dialog

„Hallo! Ich habe gerade mit dir gesprochen. Hat es dir etwa die Sprache verschlagen?“

„Nein. Mich hat niemand geschlagen.“

„Orr. Dann anders ausgedrückt: Findest du keine Worte?“

„Hab fie gerade gefunten. Fie liegen mir auf ter Funge.“

„Na dann, raus mit der Sprache!“

[Packt sich einen Duden und schmeißt ihn aus dem Fenster.]

„Du sollst mit mir reden, und nicht den Duden aus dem Fenster schmeißen!“

„Aber du sagtest doch raus mit der Sprache.“

„Ja, aber nimm doch nicht alles so wörtlich.“

„Wie soll ich denn deine Worte dann nehmen, wenn nicht wörtlich?“

„Naja, ernst.“

„Na gut. Nehme ich dich halt ernst.“

„DANN SPRICH DOCH MAL ENDLICH MIT MIR.“

„Reg dich doch nicht gleich so auf. In der Ruhe liegt die Kraft, mein Lieber.“

„Und du raubst mir meine Kraft und stiehlst mir meine wertvolle Zeit.“

„Hast du mich gerade Dieb genannt? Unerhört!“

„Nein.“

„Aber?“

„Du raubst mir noch all meine Nerven.“

„ALSO DOCH. Ich raube dir gar nichts. Pff.“

„Sag mal, bist du so dumm oder stellst du dich nur dumm?“

„Ein schlauer Mann sagte mal: Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.“

„Das ist von Kurt Tucholsky, ich weiß.“

„Nein, das hat mein Opa immer gesagt. Tucholsky muss ihn wohl zitiert haben.“

„Meinetwegen. Wie du meinst. Aber jetzt erzähl doch mal. Ich hab nicht ewig Zeit. Und sowieso: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“

„Aber morgen ist doch viel schöneres Wetter. Da macht Plaudern bestimmt viel mehr Spaß. Bei einem gemütlichen Picknick…“

„ICH WILL KEIN GEMÜTLICHES PICKNICK. Jetzt steh mir doch endlich mal Rede und Antwort.“

„Aber ich steh doch schon die ganze Zeit.“

„Ja bist du denn des Wahnsinns kesse Beute? Ich will…“

„Ich bin niemandes Beute, schon gar nicht von diesem Wahnsinn. Ich kann nämlich ganz schön schnell rennen.“

„ICH WILL ANTWORTEN HABEN.“

„Dann kauf dir ein Lexikon. Da stehen ganz viele drin.“

„Aber nicht auf meine Fragen.“

„Dann kannst du ja mal „Die Maus“ fragen. Die weiß alles. Hat Mama immer gesagt.“

„Aber ich frage doch DICH gerade.“

„Ach? Mich? Was willst du denn?“

„Antworten.“

„Achso… Auf was denn?“

„Auf meine Fragen.“

„Welche Fragen?“

„Willst du mich eigentlich verarschen?“

„Arsch ist aber kein schönes Wort. Sag doch lieber „verhintern“. Obwohl, wenn das die Sachsen aussprechen, könnte man das mit verhindern verwechseln. Verpopoen. War das jetzt deine Frage? Dann will ich das nicht, keine Sorge.“

„Das war nicht meine Frage.“

„Ja, dann stell sie doch endlich mal, ich hab ja auch nicht ewig Zeit.“

„Nerv mich doch ruhig weiter, tu dir keinen Zwang an.“

„Niemand zwingt mich. Ich mach das freiwillig.“

„Ich will doch nur die Wahrheit.“

„Im Wein liegt die Wahrheit. Soll ich dir eine Flasche schenken.“

„Nein. Sonst werde ich noch blau.“

„Wie ein Schlumpf? Ui, wie schön!“

„Nein! Betrunken, besoffen!“

„Wer ist ertrunken und ersoffen?“

„Niemand.“

„Ja, warum sagst du dann so was? Das ist aber nicht nett, mich so reinzulegen!“

„Du treibst mich noch mal in den Wahnsinn!“

„Der gleiche, der Beute sucht?“

„AN DEN RANDE DER VERZWEIFLUNG!“

„Aber bitte nicht springen. Die Verzweiflung ist bestimmt sehr tief und dann wärst du wahrscheinlich derjenige, der ertrunken und ersoffen ist.“

„Wenn du so weiter machst, ist die Verzweiflung bald sehr groß.“

„Und je größer die Verzweiflung, desto größer dein Fall. Verstehe.“

„Nichts verstehst du, das ist ja das Problem.“

„Ich habe kein Problem. Hast du eins?“

„Ja. Und ich würde es jetzt gerne lösen.“

„Nimm doch Nagellackentferner, das ist ein gutes Lösungsmittel.“

„Aber doch nicht für Probleme!“

„Na dann kann ich dir doch auch nicht helfen. Wenn du meine Vorschläge nicht annimmst. Selbst Schuld. Du bist wie der April, der weiß auch nicht, was er will.“

„Ich will, dass du mir antwortest.“

„Aber du hast ja noch gar keine Frage gestellt. Abgesehen davon, wo wolltest du sie eigentlich hinstellen? In meinem Kopf ist kein Platz mehr.“

„Jetzt hör doch mal auf zu reden und hör mir zu.“

„Hast Recht. Reden ist Silber und Schweigen ist Gold. Ich höre?“

„Jetzt hab ich vor lauter Dummheiten aus deinem Kopf meine Frage vergessen.“

„Dummheiten? Du hast doch deine Frage vergessen. Wer ist hier also dumm? Ich gehe.“

„Ist wahrscheinlich besser so. Reine Zeitverschwendung.“

„Dann investier sie doch besser. In die Zukunft zum Beispiel. Soll the next big thing für Zeitinvestment sein.“

„HALT JETZT DEINE KLAPPE UND GEH DEINER WEGE.“

„Meine Wege? Hat mir jemand Wege gebaut? Das ist ja toll.“

„GEH ODER ES WIRD JEMAND STERBEN!“

„Jemand? Kenn ich den? Der arme Kerl. Was hat er denn?“

„HAU AB!“

„Ich will ‚Ab‘ aber nicht hauen.“

„GEEEEEEEH!

„Ist ja schon gut. Ich sag ja gar nichts mehr. Aggressives Kerlchen.“

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