Auskotzen

Da sitzt man eine halbe Stunde vor dem leeren, weißen Feld in das man etwas schreiben soll und fragt sich, was man da rein schreiben soll und warum überhaupt. Ich mein‘, warum schreib ich hier überhaupt? Ich könnte ja meine Gedanken auch einfach für mich behalten. Aber dann würde sich in meinem Kopf alles drehen und winden und ich müsste meine Gedanken irgendwo anders auskotzen. Ich schreibe hier, um meine Gedanken auszukotzen. Um sie irgendwo schriftlich festzuhalten. Und dann stehen sie hier auf diesem Blog, so wie eben überall im Internet Gedanken auf Blogs stehen, und sind nach nur ein paar Stunden verloren gegangen.

Was haben wir mit unseren Gedanken, Ideen, gemacht bevor wir das Internet hatten? Tagebuch? Auch da gehen sie verloren. Haben wir unsere Gedanken unseren Liebsten mitgeteilt? Aber haben wir dann nicht viel zu sehr Angst vor der Reaktion auf unsere innere Gefühlswelt? Nee, nee, da bin ich ehrlich: Mich vor einem Haufen Fremder auszukotzen, auszufühlen, ist mir manchmal viel lieber. Warum? Weil ich sie nicht kenne und sie mich nicht und die Dinge objektiv betrachten können. Wer mich kennt wird subjektiv, gibt Tipps, Kommentare, Meinungen, Ratschläge, Mitleidsbekundungen oder sonstiges von sich. Ohne sich zu fragen, ob ich das will. Wenn ich mich wortwörtlich auskotze will ich ja auch nicht, dass jemand dass, was da auf dem Boden oder in der Kloschüssel oder im Eimer liegt, bewertet. Das soll raus. Und das wars. Nicht mehr und nicht weniger. Wem schon mal so richtig übel war, der weiß, dass man sich, nachdem man alles rausgelassen hat, um einiges besser fühlt. So eine Art Befreiungsakt.

Das ist Ihnen alles zu bildlich? Oh, Verzeihung. Dann schreibe ich das nächste Mal wohl von Blumenwiesen und Elfen oder vielleicht auch von der Freiheit, die man beim Fliegen verspürt. Aber in meinem Kopf sind halt leider nicht immer schöne Bilder, in Ihrem ja wohl auch nicht, oder? Außerdem sieze ich euch heute mal, wegen der Distanz und aus Prinzip. Ich meine, ich kenne Sie ja gar nicht und trotzdem meinen Sie mich zu kennen. Nur aufgrund von ein paar Buchstaben, die ich willkürlich in meiner sprachlichen Kreativität zu Wörtern und diese zu Sätzen und diese zu einem Text gebildet habe. Meinen Sie wirklich sich einbilden zu dürfen, mich zu kennen? Sie kennen nur einen Bruchteil und das ist gut so. Denn das Wichtigste bleibt ja immer noch, dass meine Lieben um mich herum mich richtig kennen. Ich gebe zu, ich widerspreche mir selbst, aber manchmal befürchte ich, dass ich die Menschen um mich herum einfach nur nerven würde mit meinem Kopfkrust. Vielleicht sollte ich den Gedanken loswerden und weniger hier rauslassen und mehr bei wirklichen Menschen.

Mal sehen. Man liest sich. Irgendwann mal wieder.

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