Lebenswert – Welt-Down-Syndrom-Tag

Am 21.03. war Welt-Down-Syndrom-Tag und keiner hat’s bemerkt. Selbst ich hab das ja nur mitbekommen, weil dem Thema im ZDF gerade mal 10 Minuten gewidmet worden sind. Aber das, was ich da gesehen habe, war sehr schön.

Eine kleine Familie mit einem kleinen, zuckersüßen Mädchen wurde gezeigt. Was sofort auffiel: Das Mädchen hatte das Down Syndrom und die Mutter sah sichtlich erschöpft aus. Gleichzeitig hatte sie aber so viel Liebe in ihren Augen und redete über ihr Kind, als wäre es das Normalste der Welt sich den ganzen Tag um ein Kind zu kümmern, das sowohl geistig, als auch körperlich eingeschränkt ist. Und es sein Leben lang sein wird. Die Medizin macht es Eltern heutzutage leicht „unperfekte“ Kinder abzutreiben. Immer seltener werden Kinder mit Down Syndrom geboren. Ich persönlich finde das schade. Ich kann es verstehen, ja sogar nachvollziehen. Es ist eine riesige Herausforderung ein behindertes Kind aufzuziehen, ja, sogar eine komplette Lebensaufgabe, das konnte ich in meiner bisherigen Arbeit mit behinderten Kindern und Erwachsenen beobachten. Auch dadurch, dass in unserer Gesellschaft behinderte Kinder von Anfang an von den „normalen“, gesunden Kindern getrennt werden (Kindergarten, Schule etc.), haben Menschen im Alltag doch nur wenig Kontakt mit behinderten Menschen und somit auch ganz klar Berührungsängste.

Doch der Vater dieses zuckersüßen Mädchens sagte damals, als sie erfahren hatten, dass ihr noch ungeborenes Kind das Down Syndrom hat, zu seiner Frau:“Das ist ein Ergebnis unserer Liebe. Wie könnten wir das denn aufgeben?“. Dieses Mädchen hat viel Glück mit ihren Eltern, die sie unendlich lieben und sich schon jetzt Gedanken darum machen, was wohl sein wird, wenn sie zu alt sind, sich um sie zu kümmern.

Da kommen Fragen auf. Unendlich viele Fragen. Vor allem bei mir, immerhin setze ich mich andauernd mit diesem Thema in meinem Studium auseinander. Woher kommt der Gedanke bei der Mehrheit der Menschen, dass ein Leben mit dem Down Syndrom weniger wert sei? Ist es nicht genau so lebenswert wie das Leben eines gesunden Menschen? Ich persönlich bin immer wieder beeindruckt von Menschen mit Down Syndrom. Wie ihr vielleicht wisst, habe ich in Indien an einer Schule für „mentally challenged children“ gearbeitet und irgendwie scheine auch ich die „Downies“ (wie ich sie liebevoll nenne und sie sich teilweise selbst auch) magisch anzuziehen. Ich und meine Downies, die mir hinterher gerannt sind, als gäbe es kein Morgen mehr. Die mit mir getanzt und gesungen haben. Der wohl rührendste Moment war, als wir Ragunathan fragten, wer denn sein bester Freund sei und er mich ohne zu überlegen umarmte und dazu laut „MARSA“ (ja, ohne h, so richtig aussprechen konnte er das nie) rief. Hier ein paar Bilder aus meiner Indienzeit mit meinen Downies.

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Mugunthan. Nach einem Tag mit mir konnte er das „ManaMana“ aus der Sesamstraße auswendig – Der beste Duettpartner überhaupt.

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Sie hatte es faustdick hinter den Ohren, aber war einfach zu goldig, um ihr böse zu sein.
Nahndini

Nandhini hat im Heim der Schule gewohnt und war immer todtraurig nicht zu Hause sein zu können. Fotos und wir konnten sie dann doch immer wieder aufheitern.

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Johnson. Wenn man ihn angesehen hat, ging die Sonne auf. Eindeutig einer meiner Lieblingsschüler.

Auf einer Freizeit mit behinderten Erwachsenen hatte sich Brigitte, eine 57-Jährige Downiefrau unsterblich in mich verliebt. Aber darüber gibt es hier schon einen Blogpost.

Worauf ich hinaus will: Jeder Mensch ist großartig, so wie er ist. Aber leider wissen viel zu wenig Menschen Bescheid über die Großartigkeit anderer Menschen. Weil oberflächlich entschieden wird. Ich selbst kann jetzt natürlich groß daher reden und behaupten: Klar, ich würde nicht abtreiben, es ist alles machbar, wenn man nur will. Doch das will ich nicht. Weil ich mir nicht vorstellen kann, wie ein komplettes Leben mit einem behinderten Kind aussehen könnte. Für ein paar Stunden am Tag, ok. Aber dann kann man auch Abstand nehmen. Doch das Leben mit einem so besonderem Kind ist wohl ein Full-Time-Job, dem man erstmal gewachsen sein muss.

 

Und jetzt noch ein kleines Video mit der Frage: „Wann habt ihr das letzte Mal so ausgelassen und lebensfroh getanzt wie Johnson?“

http://twitpic.com/cd9sj5 (Ich hoffe es läuft. Von mir aufgenommen im  September 2012)

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