Semesterferien {1}

Ok, zuerst muss ich sagen: Es heißt natürlich vorlesungsfreie Zeit, nicht Ferien. Aber das ist mir egal, denn wahrscheinlich liegen die Dozenten irgendwo am Strand rum und denken sich:“Ach, Klausuren korrigieren, pff, lassen wir diese Studenten einfach mal 2 Monate auf Ergebnisse warten, geht ja nur um ihre Zukunft.“. Und dann kann ich auch faul in meinem Bett liegen und tagelang Grey’s Anatomy schauen. Wäre ich Medizinstudentin könnte ich immerhin behaupten, dass ich lerne. Ist aber egal. So kann ich beim nächsten Unfall einfach laut losrufen:“Lassen Sie mich durch, ich kenne alle Folgen von Grey’s Anatomy!“ und mich durch die panische Masse drängen, um dann beim Anblick von Blut umzukippen.

Natürlich lag ich nicht die kompletten 5 Wochen im Bett und hab Serien angeschaut, auch wenn das ein durchaus erstrebenswertes Lebensziel wäre. Nein, diese Semesterferien, meine zweiten überhaupt, werden wohl die schönsten überhaupt gewesen sein. Die kommenden sind überschattet von Hausarbeiten, Praktika, Praktikumsberichten und jünger werde ich ja auch nicht (sagt dieses eine widerspenstige graue Haar auf meinem Kopf). Deswegen sind diese Ferien so voll mit grandiosen Dingen, dass ich meinen Enkelkindern noch vor einem prasselnden Kaminfeuer davon erzählen werde. Oder ich schreibe eine Serie, die „How I spent my second holidays“ heißt und in der ich langweilige Geschichten erzähle, in denen ich mich mit meinen Freunden in irgendeiner Hipsterbar in Leipzig betrinke und im Bett liege und meiner Seriensucht fröne. Das Ganze zöge sich aber natürlich über mindestens acht Staffeln.

In diesen Semesterferien war ich bereits in folgenden Städten: Mannheim, Heidelberg, Offenburg, Straßburg, Colmar, Rust (im Europapark), Karlsruhe, Jena und Konstanz. Und natürlich Leipzig, aber da wohn ich, das zählt nicht.

Ich habe meine Familie besucht, politische Wahldiskussionen mit meinem sieben Jahre alten Bruder geführt. („Müssen die das, was auf den Wahlplakaten steht, eigentlich halten?“ „Eigentlich schon, aber machen sie nicht.“ „ABER DA MUSS MAN DOCH WAS TUN!“), hab mir interessante, erschreckende Kriegsgeschichten von Oma angehört, mit meinem Vater über BBC Serien gesprochen und Hugo mit meiner Mutter getrunken. Außerdem diskutierten der Onkel und mein Vater über Sinti und Roma bis Oma (Huch, ein Reim!) energisch einwarf „Jetzt hört halt mal auf, die ganze Familie stammt von Zigeunern ab!“. Was dann auch erklärt, warum ich so rastlos bin und es noch nicht mal mehr 24 Stunden in meiner Wohnung aushalte.

Anschließend war ich zwei Wochen arbeiten, auf einer Freizeit für Erwachsene mit geistiger und teilweise auch körperlicher Behinderung. Es war anstrengend, herausfordernd, niederschmetternd, interessant, spannend und vor allem eins: Lustig. Wir waren ein großartiges Team und als mich S. (47, Trisomie 21) zum Abschied schluchzend umarmte und meinte „Aber ich brauch dich doch, du kannst nicht gehen!“ sagte, wusste ich, dass ich wohl irgendwie alles richtig gemacht hatte. Am letzten Abend gestand uns A. (82, dement, im Rollstuhl), dass sie zuerst nicht auf die Freizeit mitgehen wollte, weil sie so behindert sei, und alle anderen Teilnehmer lachten und meinten nur“Aber das sind wir doch alle hier!“ Mein persönliches Highlight war auch T. (43, Down Syndrom), der sich lachend im Spiegel anschaute und meinte „Haha, guck mal, ich seh‘ aus wie ein Chinese!“. Ich könnte noch einige Geschichten erzählen (z.B., wie ich als Einzige in der Achterbahn im Europapark geschrien habe), aber das würde den Rahmen sprengen.

Danach war ich auf einer wunderbaren Hochzeit. Hochzeiten sind toll. Auf Hochzeiten sind schöne, strahlende Menschen. Auf Hochzeiten gibt es Kuchen, so viel man will. Auf Hochzeiten gibt es so viel Essen, dass man befürchten muss, dass das Kleid platzt. Auf Hochzeiten sind alle glücklich. GEBT MIR MEHR HOCHZEITEN!!! Diese Hochzeit war besonders toll, weil indische Gäste eingeladen waren, die ich seit meiner Abreise in Indien nicht gesehen habe. Zuerst gab es Wiedersehenstränen, einen Haufen Umarmungen, großartige Gespräche, noch mehr Umarmungen und am nächsten Tag schon wieder Abschiedstränen, weil wir leider keinen deutschen Mann für Geetha gefunden haben, damit sie für immer in Deutschland bleiben kann. Auch sonst waren ein Haufen Herzmenschen da, die man viel zu selten sieht und es wurde stundenlang durchgetanzt und gelacht und dabei aus Versehen aufs Brautkleid getreten, weil die Braut damit beim Tanzen mindestens vier Quadratmeter für sich gebraucht hat. Ich hab zwar keinen Mann zum Heiraten, aber sollte ich irgendwann mal heiraten will ich ein wunderschönes Bauschekleid und mindestens drei kleine Mädchen, die mir immer hinterherlaufen und das Kleid hinten anheben müssen, damit es nicht schmutzig wird.

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Und jaaaa, am Bodensee war ich auch noch. Im wunderschönen Konstanz mit der besten, verrückten Freundin und ihrem mindestens genauso verrückten Verlobten. (Hallo ihr zwei, ich hab euch gern!) Wir sind Tretboot gefahren und haben gemerkt, dass das ganz schön anstrengend ist. So eine halbe Stunde Tretbootfahren reicht dann auch erstmal an Sport für den Rest des Jahres, finde ich. Wir waren im Regen auf dem Münster, wo mich eine böse Tür mutwillig angegriffen hat ich mir die Finger ein bisschen gequetscht habe und wir einen wunderschönen Blick über Konstanz hatten. Konstanz ist schön, da kann man schon mal hingehen. Und wenn man schon da ist, dann auch bitte in das Café „VOGLHAUS“. Da ist es ein bisschen hipsteresk, aber ansonsten sehr schön. Und so lässt sich der Wochenendkurzurlaub auch nur in folgenden Worten zusammenfassen: Schöni Pöni.

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Ich traf noch andere wunderschöne Menschen, Menschen, die ich schon gefühlte Jahrzehnte nicht gesehen habe und die ich alle sehr gerne habe. Dazu lässt sich nur sagen: Mal dir die Lippen rot an und du fällst in der Kleinstadt garantiert auf.  Und: Wenn man zu viel Flüssigkeit auf eine Pizza packt, kann man sie sogar gar kochen. Schmeckt sogar. Und ich hab noch so einiges mehr gemacht, aber ich muss ja nicht alles jedem auf die Nase binden.

Jetzt hab ich noch mehr als einen Monat Ferien und nächste Woche kommt das absolute Highlight: SCHOTTLAND! Ich werde berichten. Außerdem stehen noch Berlin und Köln auf dem Plan, das wird mindestens mittel. Hauptsache ich bin unterwegs. Denn wenn ich unterwegs bin, bin ich glücklich. Auch, wenn ich mich immer wieder auf meine eigenen vier Wände in meinem Leipzig freue.

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Ein Gedanke zu “Semesterferien {1}

  1. Du verstehst es wirklich den langweiligen Ton des Alltags in eine wunderschöne Melodie zu verwandeln.
    Ich mag es, deine grossen und kleinen Reisen und besonderen Blicke zu den Mitmenschen zu erleben.
    Bitte behalte deinen Schwung und deine Melodie für noch viele weitere Erlebnistouren.

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