It’s all about the story

„It’s all about the story.“, sagte Gabe zog sich bis auf die Unterhose aus, stieg auf das kleine Türmchen und sprang mit einem lauten „JESUS!“ bei 13°C Außentemperatur in die schottische Nordsee. Gabriel ist ein jüdischer Amerikaner oder amerikanischer Jude, hat rote Haare und ist ein bisschen verrückt. Und sehr lebensweise. Kennen gelernt habe ich ihn im September in St. Andrews, einer schottischen Kleinstadt an der Küste. Mit meiner Freundin Sarah, mit der ich durch Nordengland und Schottland reiste, stand ich in der Küche, als uns plötzlich ganz schüchtern mit „Spreckt ihr Deutsch?“ ansprach, woraufhin sich herausstellte, dass er für ein Jahr in Wien studieren würde und deswegen Deutsch lernt.

Mit Gabe verstanden wir uns gut und da er alleine unterwegs war, schloss er sich uns an. Haute beim Weintrinken Sätze wie „Wenn ich das austrinke, habe ich morgen bestimmt einen Käfer.“ raus und wir brachten ihm bei, dass es nicht besonders männlich ist, wenn Männer Ausrufe wie „Huch!“ oder „Uppsi!“ machen. Aber ich lernte auch was von ihm. Er erklärte mir, dass er sich vor Entscheidungen immer fragt „How good is the story, you can tell afterwards?“, also „Wie gut ist die Geschichte, die man danach erzählen kann?“. Ist die Geschichte gut, entscheidet er sich für etwas. Denn „It’s all about the story.“.

Und irgendwie ist seit diesen zwei Tagen in St. Andrews „It’s all about the story“ zu einer Art Lebensmotto geworden. Und ich muss sagen, es ist ein fantastisches Lebensmotto. Ein bisschen erinnert es auch an diesen Film „Der Ja-Sager“ mit Jim Carrey, in dem der Protagonist einfach zu allem „Ja“ sagen muss und plötzlich alles ganz verrückt wird. Ich mag verrückte Dinge und ich mag es, wie mein Leben läuft. Und ich werde meinen Enkeln später mal großartige Geschichten erzählen können. Ob es die ist, bei der ich mich dazu entschloss, innerhalb von vier Tagen auf vier Poetry Slams aufzutreten oder die, bei der ich zwar vielleicht ein, zwei, fünf Schnaps zu viel hatte, der Abend aber großartig war? Oder als ich 5 Stunden vor Beginn für einen Slam in Dresden zugesagt habe, innerhalb von 10 Minuten geduscht habe, in ein Auto mit zwei unbekannten Slam Poeten gesprungen bin, Gratisbier, einen Finaleinzug, intelligente Gespräche und tolle Leute um mich herum hatte? Und andere Dinge, von denen ich hier jetzt nicht schreiben möchte. Ich weiß es nicht. Ich weiß vorher nicht, was für Geschichten rauskommen, aber seit ich mich kurz vorher frage, wie die Geschichte aussehen könnte, fallen mir Entscheidungen viel einfacher. Und alles bleibt ein bisschen spannender. Wahrscheinlich kommen auch noch ein paar spektakulärere Geschichten zustande, aber die letzten zwei Monate waren schon mal ziemlich abwechslungsreich.

Also scheiß auf das Arschgeweih unter den Lebensmottos „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum“, ich lebe einfach so. Und sammel Geschichten. Die Hälfte davon hat mit Fahrradstürzen zu tun, aber es laufen schon Spendenaufrufe für Stützräder und Ganzkörpermatratzenanzüge für meine Sicherheit. Die andere Hälfte hat nichts mit blutenden Knien, Sanitätern, die aus dem Nichts auftauchen und Verbänden zu tun, aber ist trotzdem ziemlich interessant. Glaube ich. Hoffe ich. Und ich bin gespannt, wann ich die nächste Geschichte erzählen kann (Die nichts mit Schmerzen zu tun hat, ich wäre zur Abwechslung gerne mal länger als eine Woche unverletzt.) Denn:

„It’s all about the story“

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