Herbst – Eine Hasstirade

“Oh, der Herbst ist so schön. Mit seinen bunten Blättern und alles verändert sich.“
Ja. Alles verändert sich. Alles stirbt langsam ab und wird kahl. Der Herbst will sein Kahlwerden nur mit den schönen, bunten Blättern übertünchen. Wie alte Männer, denen die Haare ausfallen und die deswegen Haarimplantate, bunte Sakkos und zu enge Jeans tragen, damit das nicht so auffällt. Der Herbst ist ein lächerlicher alter Mann, der sich Botox spritzen lässt und Make-Up trägt, der aber trotzdem langsam vor sich hin siecht und irgendwann stirbt. Und das in aller Öffentlichkeit. Der Herbst ist Wolfgang Joop.

„Ja, aber der Herbst ist doch voll schön, wenn die Sonne scheint und so.“
Bitch please, alles ist schön, wenn die Sonne scheint. Sogar Hitler und Voldemort wären im Sonnenlicht gleich mal so richtig sympathisch, zwei cute hotte Boyz, die dir den Kopf verdrehen. Aber der Herbst verarscht uns doch nur mit seiner Kacksonne. Er suggeriert uns einen angenehmen, goldenen Herbsttag und dann geht man raus und friert sich den Arsch ab, weil es schon fast Minusgrade hat. Und dann steigt man zitternd in die Tram und schwitzt. Und dann steigt man aus und die Schweißperlen auf der Stirn gefrieren beinahe, die Nase läuft und man wird krank.
Aber neeeeein, nicht so richtig krank, nur so halb, weil der Herbst ein unentschlossenes Arschloch ist, wie dieser eine Typ der sich einfach nicht zwischen dir und deiner Schwester entscheiden kann.

Man wird gerade so krank, dass die Nase bis Januar durchgehend läuft, aber nicht krank genug, um nicht in die Uni gehen zu können.
Und wenn die Sonne nicht scheint ist es kalt und grau und feucht als würden eine Millionen Dementoren draußen rumschweben (An dieser Stelle wollte ich eigentlich „Feuchter als deine Mutter wenn sie Horst Seehofer sieht“ sagen, aber dann hätte ich sie ja als CSU-Wählerin beschimpft und das geht dann halt auch echt zu weit).
Während man sich jahrelang gegen die mütterlichen Weisheiten gewehrt hat, stopft man sich jetzt das Top in die Hose, damit die Nieren warm bleiben und hört Mutter irgendwo leise hämisch und triumphierend lachen. Damit man keine Halsschmerzen bekommt muss man sich einen Schal anziehen, obwohl man ohne eigentlich schon genug am Hals hat. Und solange es kein Butterbier zum Aufwärmen gibt, kann ich den Herbst eh nicht ernst nehmen.

„Aber dann gibt’s bei Starbucks endlich wieder den Pumpkin Spice Latte. Und den gibt’s halt echt nur im Herbst.“
ICH HABE NOCH NIE EINEN PUMPKIN SPICE LATTE GETRUNKEN UND FÜHRE TROTZDEM EIN GLÜCKLICHES LEBEN, IHR PISSER! In meinen Kaffee gehört kein Kürbis, in meinen Kaffee gehört Kaffee.
Und dann ist da noch Halloween. Wenn ich Zombies sehen möchte gucke ich mir „The Walking Dead“ an oder stelle mich morgens vors Flower Power und schau mir die Gestalten an, die da rauswanken, da brauch ich keinen amerikanischen Feiertag für. Immer diese bekloppten besorgten Bürger, die montags für den Erhalt der deutschen Kultur auf die Straße gehen und dann am Reformationstag mit ihren Kindern durch die Straßen laufen und den Konsum feiern. Seit meinem ersten Taschengeld, kann ich mir meine Süßigkeiten auch ganz alleine kaufen, ha! Früher habe ich Halloween komplett boykottiert, mittlerweile laufe ich einfach durch die Straßen, kneife wildfremden Menschen in die Wange und sage „Oh, das ist aber eine besonders gut gelungene Halloweenmaske“.

„Und das Laub raschelt dann so schön unter den Füßen.“
NEIN. TUTS NICHT! Weil es ganz schnell nass und glitschig wird. Blätter gehören an Bäume und sonst nirgendwohin. Ich reiß mir meine Haare ja auch nicht aus und werfe sie einfach so auf den Boden, nur weils n bisschen kälter wird. Bäume sind so Jammerlappen.
Herbst ist, wenn Hundehaufen verstecken spielen. Und wenn du Glück hast, weil der Herbst ja sooooo toll ist, rutscht du auf dem Laub aus landest in dem, was das Leben im Grunde genommen ist: Scheiße.

Aber hey, endlich haben einfallslose Journalisten endlich wieder ein Thema, über das sie schreiben können: Dreizehn Tipps gegen die Herbstdepression. ICH HAB KEINE HERBSTDEPRESSION, ICH FIND DEN HERBST HALT EINFACH SCHEISSE UND UNNÖTIG UND AKTZEPTIERE IHN NICHT ALS JAHRESZEIT! Der Herbst ist ein Unfall der Natur. Wie Horst Seehofer.

Außerdem irren im Herbst immer orientierungslose Erstis durch die Stadt, die direkt am Augustusplatz stehen und mich dann fragen, wo denn die Mensa sei. IMMER DEM POMMESFETTGERUCH NACH, möchte ich schreien, aber dann setze ich sie doch in eine beliebige Tram und sage „Noch sechs Stationen fahren, dann müsstet ihr sie eigentlich sehen.“

Aber es gibt doch eine gute Sache am Herbst. Und damit meine ich nicht gemütliche Teeabende mit einem Buch in der Hand oder Kerzenschein oder Kürbissuppen (Ok, das auch ein bisschen) Das Beste am Herbst ist, dass tausende Wespen und Fruchtfliegen einen grausamen Kältetod sterben.
Und während ich diesen Text in meiner kalten Küche geschrieben habe, aß ich zitternd Eis. Denn: Fickt dich das System, dann ficke es zurück!

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